Para-Bogensport: Inklusion am Schießplatz

Der Bogensport prägt das Leben von Friedrich Ziegler. Wenn er nicht auf dem Schießplatz ist, dann tüftelt er in seiner Garage an Zubehörteilen für sich und andere Schütz:innen. Mit seinen 65 Jahren ist er beruflich zwar schon in Pension, seine Sportlerkarriere hingegen ist auf dem Weg zum Höhepunkt.

Friedrich Ziegler mit seiner Silbermedaille bei der Siegerehrung der niederösterreichischen Landesmeisterschaften 2021. Alle Fotos (c) Friedrich Ziegler

„Vier- bis fünfmal in der Woche trainiere ich, Minimum zwei bis vier Stunden“, erzählt Ziegler. Das Training macht sich bezahlt, wie sein zweiter Platz bei den niederösterreichischen Landesmeisterschaften im August zeigt. Bei den offenen Meisterschaften in Lassee ließ Ziegler seine gehenden Konkurrent:innen alt aussehen.

Keine neue Situation für den gebürtigen Wiener: „Die meisten Turniere in Österreich sind allgemeine Klassen, da schießen wir auch als Para-Schütz:innen mit. Außer bei den österreichischen Meisterschaften, dort gibt es eigene Klassen für Para-Schützen.“ Bei Zieglers Erfolgen möchte man glauben, dass ihn Pfeil und Bogen schon sein ganzes Leben lang begleiten. So ganz stimmt das aber nicht.

Ziegler während eines Wettkampfs, kurz bevor er seinen Pfeil abschießt.

Rückkehr zum Bogensport

Ziegler begann in seinen Jugendjahren zu schießen, doch dann folgte eine lange Pause und der Bogen verschwand aus seinem Leben. Jahre später entdeckte er die alte Leidenschaft wieder für sich. Die Rückkehr zum Bogensport verdankt er einem Freund. „Der hat mir davon erzählt und ich habe mir gedacht: Das ist genau das, was mich interessieren würde.“

Mittlerweile ist Ziegler seit 18 Jahren im Bogensport aktiv und nach wie vor begeistert: „Das Schöne daran ist, dass du bei nicht-behinderten Menschen mitschießen kannst und integriert bist. Das ist wirklich eine gelebte Inklusion in dem Sport.“

„Ich fahre sehr gerne auf die Wettkämpfe. Dort sind immer sehr nette Leute, es ist alles sehr kameradschaftlich und das Schöne ist: Wir Para-Sportler sind dort integriert.“ – Friedrich Ziegler

Auf dem Schießplatz zu Hause: Ziegler ist an vier bis fünf Tagen pro Woche am trainieren.

Vom Beruf zur Berufung

Die Leidenschaft Bogenschießen lies Ziegler nicht mehr los und seit er in Pension ist, liegt sein Fokus voll auf dem Sport. „Durch das Bogenschießen habe ich einen Rhythmus mit dem regelmäßigen Training. Das macht mir Spaß und gibt meinem Leben Sinn.“

Ziegler setzt sich auch für andere Para-Sportler:innen ein und ist seit 2,5 Jahren Referent für den Para-Bogensport beim ÖBSV. In dieser Funktion unterstützt der 65-Jährige Schütz:innen bei Wettkämpfen, koordiniert Trainings und versucht neue Athlet:innen für seinen Sport zu gewinnen. Kein leichtes Unterfangen seit Corona. „Ich habe keinen Zugang zu meinen Einsteiger:innen, ich probiere es über Reha-Zentren, aber es ist schwer.“

„Neue Schütz:innen zum Sport zu bringen, das wäre mir ein Anliegen.“ – Friedrich Ziegler

Engagement für Schütz:innen

Zieglers Einsatz für seine Athlet:innen geht sogar so weit, dass er sein zweites Hobby dafür verwendet, um Schütz:innen zu unterstützen. Die Metallverarbeitung hat es dem Wiener angetan. Zu Hause in seiner Werkstatt dreht und fräst er Zubehörteile für den Bogensport. „Ich habe eine junge Schützin, die ist unterarmamputiert, da mache ich verschiedene Sachen, die es ihr erleichtern den Sport auszuüben“, erzählt Ziegler.

Ziegler mit der österreichischen Fahne. Er tritt auch bei internationalen Wettkämpfen an - sein großes Ziel sind die Paralympics.

Große Ziele vor Augen

Doch neben all diesen Aufgaben verliert Ziegler seine eigene Sportlerkarriere nicht aus den Augen. Der Compound-Schütze will 2022 bei der Para-WM in Dubai antreten. Ein offenes Ziel ist die Teilnahme an Paralympischen Spielen. Im Frühjahr war er dafür in Tschechien bei der letzten Qualifikationsmöglichkeit, gereicht hat es leider nicht. Doch Ziegler will es wieder probieren, die nächste Chance sind die Spiele in Paris in drei Jahren: „Natürlich ist das ein Ziel, irgendwann einmal dabei zu sein. Das hängt natürlich auch vom Gesundheitszustand ab, aber mir tut nichts weh und ich kann schießen.“ Doch egal, ob es mit den Paralympics klappt oder nicht, Ziegler will noch lange nicht in Sportpension gehen.

 

Falls du nun auch Lust bekommen hast, Bogenschießen auszuprobieren, kannst du dich beim Österreichischen Bogensportverband informieren und melden oder dich für Fragen zum Para-Bogensport direkt an Friedrich Ziegler wenden (para-archery(at)oebsv.com).

 

Erstellt von Sebastian Reiter