Vom Neuling bis zum Paralympioniken: Das Handbike-Training für Alle

Handbike-Fahren richtig lernen und am eigenen Körper spüren. Das bietet das gemeinsame Handbike-Training des RSC heindl Oberösterreich.

Seite an Seite beim Indoor-Handbiken. Foto (c) LightVision

Dr. Christoph Etzlstorfer hat in der österreichischen Rollstuhlsportgeschichte riesige Erfolge gefeiert. Er ist Paralympics-Medaillengewinner im Handbikefahren, Österreichischer Meister im Rollstuhlrugby und hat in der Rollstuhlleichtathletik Weltrekorde aufgestellt. Nach einer Ausbildung an der Bundessportakademie ist er seit 1996 als Trainer tätig. Seit 2016 bietet er regelmäßig Handbike-Trainings für den RSC heindl Oberösterreich in Linz an – mit großem Erfolg.

Christoph, warum hast du dich dafür entschieden, das Handbike-Indoor-Training ins Leben zu rufen?
Dr. Christoph Etzlstorfer: Ich habe selbst so viele Jahrzehnte Sport betrieben und weiß, welchen Wert körperliche Betätigung hat. Ich möchte daher etwas weitergeben. Wenn das gelingt und den Teilnehmern das Training gefällt, ist das ein wunderbares Gefühl.

Wer kann an diesem Training teilnehmen?
Das Angebot richtet sich an jeden, der es ausprobieren will. Vom Neuling bis zum Paralympics-Sieger, alle können mitmachen. Wir stellen auch Handbikes zur Verfügung, wenn jemand kein eigenes hat und das Handbike-Fahren ausprobieren will. Willkommen sind auch Tri-Cycler und Radfahrer mit oder ohne Behinderung. Das Verbindende ist die Freude an der Bewegung, nicht die Behinderung.

Dr. Etzlstorfer beim Coachen. Foto (c) LightVision

Welche Vorteile bietet das gemeinsame Training für Neueinsteiger?
Wenn man früher mit dem Handbiken beginnen wollte, musste man mühevoll alle Informationen sammeln, ein Rad besorgen und hat, lapidar gesagt, auf gut Glück herumgekurbelt. Außerdem trainieren wir nebeneinander auf Trainingswalzen, dadurch fährt keiner dem anderen davon. Weiters ist der Austausch mit den erfahrenen Handbikern Gold wert. So lernt man schneller die Grundlagen: Wie man am besten ins Handbike einsteigt, wie man die Kurbel angreift und das Gerät anpasst. Außerdem kann man sich Tipps holen, wie man das Training gestaltet.

Welche etablierten Handbiker kommen zu den Trainings?
Walter Ablinger, Para-Triathlet Florian Brungraber, Ernst Bachmaier und viele mehr. Es ist ein unglaublich starker Effekt eingetreten, der die Teilnehmer immer wieder kommen lässt – der Effekt der Gruppe. Die Stimmung ist immer großartig und motivierend, jeder bringt etwas anderes mit, zum Beispiel Werkzeug, Pumpen, Erste-Hilfe-Koffer und vieles mehr. Auch die Organisation wird aufgeteilt. Viele nehmen sogar eine Anreise von zwei Autostunden in Kauf, um dabei sein zu können.

Walter Ablinger ist Stammgast beim Handbike-Training. Foto (c) LightVision

Welche Kompetenzen werden vermittelt?
Das Training hat zwei Hauptkomponenten: Das aktive Handbiken und Wissensvermittlung. Ich selbst sitze nicht am Handbike, sondern stehe oft am Flip-Chart und erkläre, warum wir welches Training machen in Bezug auf Trainingsphasen, Jahreszeiten und physischer Entwicklung. Das ist für mich die optimale Form des Lernens, weil man Theorie und Praxis zusammenführt. Man spürt am eigenen Körper, wie es sich anfühlt.

Wer unterstützt dich beim Training?
Das ist unterschiedlich, aber mein Neffe, Stefan Etzlstorfer, ist immer dabei. Er ist Rot-Kreuz-Sanitäter und sehr geschickt. Er kann den Teilnehmern assistieren und mit Werkzeug umgehen, um die Handbikes zu adaptieren. Außerdem unterstützen uns Physiotherapie-Studentinnen, denen die Zeit als Praktikum angerechnet wird. Weiters hatten wir zahlreiche Referenten wie Max Kinzlbauer, Trainer von Christoph Strasser, der vielfach das Race Across America gewonnen hat. Oder Christian Pömer, sportlicher Leiter von BORA-Hansgrohe, dem derzeit zweitbesten Radteam der Welt. Da lernt man viel über die internen Abläufe eines Profi-Teams. Wenn man erfährt, wie im Team vom dreimaligen Weltmeister Peter Sagan gearbeitet wird, dann hören alle Radsportbegeisterten ganz genau hin.

Die Teilnehmer kommen immer wieder, das ist das beste Feedback. Foto (c) LightVision

Was kostet die Teilnahme?
Der Kurs finanziert sich ausschließlich durch eine geringe Gebühr, die von den Kursteilnehmern eingehoben wird. Ein Termin kostet 20 Euro, für Mitglieder des RSC Heindl OÖ 10 Euro. Das ist aber nur möglich, weil der Saal sehr günstig ist und auch die Betreuer und Helfer sehr sozial sind.

Wie bezifferst du den Wert des Kurses für den Österreichischen Para-Sport?
Ich bin absolut überzeugt davon, dass die Kurse dabei helfen, den österreichischen Handbike-Sport weiterzuentwickeln. Bei der Paracycling Tour 2019 in Oberösterreich waren 15 Handbiker aus Österreich dabei. 10 von Ihnen nehmen an den Trainings in unserem Verein teil. Das ist ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass es funktioniert.

Wann findet der nächste Kurs statt?
Am 14. Dezember im Volkshaus Pichling in der solarCity Linz. Der Saal ist optimal barrierefrei, es gibt zwei Rollstuhltoiletten, man braucht keinen Lift und es gibt Gastronomie im Gebäude. Anmelden kann man sich per Mail an sport(at)rollstuhlsport.at, am besten mit der Info, ob ein Leih-Handbike benötigt wird oder nicht. Weitere Termine werden laufend auf der Homepage des RSC heindl Oberösterreich veröffentlicht.

Bewegungsmelder-Bericht über HBI
Website des RSC heindl OÖ
Website von Dr. Christoph Etzlstorfer